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Lupina

Eine Romanfigur im Interview!

Eine Frage von Leben und Tod

Heute begrüße ich zum Interview Lupina, eine Romanfigur. Sie ist eine kesse Halblingsdame und durfte schon dreimal in den Fantasykrimis von Alexander Bálly als Detektivin ermitteln. Was ich noch nicht wusste, aber nun erfuhr, Romanfiguren haben ein Privatleben, wie andere Leute auch. Herzlichen Dank, Lupina, dass du für uns Zeit gefunden hast.

Es ist mir ein Vergnügen.

Lupina, wie wird man Romanfigur?

Da gibt es wohl verschiedene Wege. Die meisten werden einfach erfunden. Andere sind nach Vorbildern im Bekanntenkreis des Autors erschaffen worden oder sogar sein Spiegelbild. Oder sie haben historische Vorbilder. Ich selbst bin Quereinsteiger. Ich konnte an einer Umschulungsmaßnahme teilnehmen. Zuvor war ich ein Rollenspielcharakter.

Du bist Hauptfigur in bisher drei Fantasy-Krimis. Was sind Deine Erfahrungen?

Meine Erfahrungen sind überwiegend positiv. Mit den Geschichten der Bücher bin ich rundum zufrieden. Sie sind spannend und ich komme ziemlich sympathisch rüber. Andere sind in dieser Hinsicht vielleicht nicht so empfindlich, aber mir ist das wichtig. Die Bücher sind zwar nicht die Superseller, aber Crossover-Titel haben es leider auf dem Markt immer etwas schwer. Immerhin: Das Leserfeedback ist sehr positiv.

Was muss man mitbringen, wenn man eine gute Romanfigur sein will?

Hmmm. Eine schwere Frage, Marlon. Vor allem sind es wohl zwei Dinge, die eine gute Romanfigur ausmachen: Zum einen braucht man einen spürbaren und plausiblen inneren Konflikt. Das andere ist eine gute Motivation. Alles, was man macht, sollte im Buch für den Leser Sinn machen. Wenn man dann auch noch passend zum Buchprojekt ein wenig Witz oder Charme entwickelt und keine Scheu hat, sich auch einmal zu blamieren, dann hat man wohl das Wichtigste zusammen.

Wie sieht der Arbeitsalltag von dir aus?

Da sind wir Romanfiguren leider stark abhängig von unseren Autoren. Wenn sie erst nach Mitternacht schreiben, dann ist man besser eine Nachteule. Mein Chef hat zum Glück einen geregelten Arbeitsrhythmus. Geschrieben wird meist am Vormittag. Aber auch gelegentliche Nachtaktionen kommen vor. Während das Manuskript wächst, ist es natürlich am interessantesten. Da darf man den Schauplatz erkunden. Alles ist noch neu und es riecht ein bisschen wie ein Neuwagen. Dieses erste Erleben des Abenteuers ist dem Rollenspiel gar nicht unähnlich und sehr spannend.

Doch dann geht der lästigere Teil der Arbeit los: Auf jede Stunde Schreib-Abenteuer kommen mindestens vier bis sechs Stunden Korrekturen. Da muss man dann zum Beispiel immer wieder durch dieselbe Gasse gehen, die dabei immer wieder neu und etwas anders beschrieben wird, bis der Chef meint, jetzt passt es. Oder man führt einen Dialog ein Dutzend Male mit winzigen Änderungen, bis die Worte flüssig klingen. Das ist manchmal sehr mühsam.

Was ist besonders schwer in dem Beruf?

Einmal musste ich fast ertrinken. Und der Chef war unzufrieden mit dem Text. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich in den kalten Fluss springen musste, um immer wieder beinahe abzusaufen, bis er endlich fand, dass meine Beklemmung, die Luftnot und Angst gut und anschaulich zu lesen war. Am liebsten hätt' ich ihn damals selbst ins Wasser geschmissen! Aber die Stelle ist gut gelungen!

Dürfen Romanfiguren auch streiken?

Wir haben keine Gewerkschaft. Aber es kommt schon vor, dass Romanfiguren streiken. Das ist meinem Chef einmal mit einer sehr netten Nebenfigur passiert. Sie machte nicht, was vorgesehen war und alles stand still. Der Chef hat sich daraufhin mit ihr vernünftig unterhalten und es stellte sich heraus, dass er etwas von ihr verlangt hatte, was ihr gegen den Strich ging - zumindest an diesem Ort. Später, in meiner Werkstatt lief es dann glatt. So ist es ganz oft. Wenn Romanfiguren bockig sind, hat der Autor meistens einen Fehler gemacht und will am Charakter der Figur vorbeischreiben. Da sind wir ziemlich kompromisslos. Das müssen wir sein, denn bei Licht betrachtet sind wird ja nur das: Charakter und ein wenig Tinte.

Was machst du in der Freizeit?

Ich gehe ganz gerne zu Schweinerennen. Und ich mache Ikebana.

Ikebana?

Die japanische Kunst des Blumensteckens, sehr entspannend. Natürlich Esse ich gerne. Leidenschaftlich gerne. Auch Interviews machen mir Spaß.

Lesen Romanfiguren selbst auch Bücher?

Ich kann nicht für alle sprechen. Ich selbst bin nicht unbedingt die Extremleseratte. Doch ein guter Roman kann auch mich begeistern.

Hat sich mit dem Aufkommen der eBooks das Berufsbild der Romanfigur verändert?

Eigentlich nicht. Das Handwerk ist bei Papier und eBook natürlich dasselbe. Aber im eBook ist der ganze Prozess schneller und die Texte oft kürzer. Manchmal ist die Entstehung eines eBooks sogar zu schnell. Oft könnten meine Kollegen bessere Geschichten erzählen, wenn die Autoren nicht so ungeduldig wären. Noch etwas ist anders: Man muss als Figur vielleicht mehr als früher im Internet herumgeistern. Wer da Berührungsängste hat, wird sich schwertun.

Gibt es Berührungsängste mit Romanfiguren aus anderen Genres?

Nein. Überhaupt nicht. Privat sind viele Romanfiguren ja auch ganz anders als in den Texten. Die Faschingspartys bei den Jungs von Kafka sind zum Beispiel Bombe!

Welche Kollegen schätzt du besonders?

Ohje ... wo soll ich da anfangen. Long John Silver ist ein sehr charmanter Unterhalter und Prof. Pnin ist ein lieber Freund, der immer ein offenes Ohr für mich hat. Pu der Bär ist privat ein recht gerissener Kerl. Spielen sie nie mit ihm Canasta um Geld. Mit Dr. Watson und Petrosilius Zwackelmann kann man ganz wunderbar über Kunst und Filme plaudern. Es gibt so viele nette Kollegen. Jeder ist auf seine Art einmalig. Bis auf die Hanni und Nanni. Die kann ich nicht auseinanderhalten.

Was wünschst du dir von deinem Autor?

Eine Putzfrau. Er könnte mir eine Putzfrau schreiben, die ich auch privat nutzen darf.

Was planst du? Erzähle noch ganz kurz über deine nächsten Projekte?

Zurzeit entsteht gerade eine Art Prequel zu meinen drei Romanen. Es ist ein Tagebuchroman, der erzählt, warum ich meine Heimat verlasse und in die Stadt der Menschen komme, wo ich später als Detektivin meine Abenteuer erlebe. Das Tagebuch ist ein wenig Familiensaga, etwas Roadmovie und hat sogar Thrillerelemente.

Zum Schluss noch: Was gibst du jungen Autoren mit auf den Weg?

Nimm deine Figuren ernst. Gib dein Bestes und dann fang an, es noch besser zu machen. Und Leute! Schreibt weniger Bettszenen! Das mag jetzt meine persönliche Kiste sein, aber ich will nicht beim Sex beobachtet werden. Muss das denn sein?

Und was wünschst Du Dir von Deinen Lesern?

Besonders, wenn ihr Indies lest und noch unbekannte Autoren. Bitte schreibt Rezensionen! Es ist nicht wichtig, dass ihr alle Bücher gut findet. Seid nur ehrlich. Aber das Feedback ist für unsere Chefs wichtig. Werft mit Rosen oder mit Tomaten, aber lasst unsere Autoren spüren, dass sie gelesen werden. Solange ihr ehrlich seid und fair, könnt Ihr nichts falsch machen.

Danke liebe Lupina für das aufschlussreiche Interview.

Bitte sehr. Es hat mir Spaß gemacht. Aber Marlon, darf ich Deinen Lesern meine Bücher noch zeigen?

Klar doch!

Weitere Infos zum Autor: www.alexander-bally.de

Weitere Infos zu Lupina: www.lupinas-welt.de